Auslandspraktika bilden eine Vorasusetzung bei der Zertifizierung einer Schule zur "Europaschule". Sowohl das Schülerbetriebspraktikum im Jahrgang 9 als auch das Sozialpraktikum in der Jahrgangsstufe 11 können und sollen für das Sammeln von Erfahrungen im europäischen Umland und darüber hinaus genutzt werden.
Anfang 2009 begaben sich zwei Schülerinnen der Jahrgangsstufe 11 auf die Reise nach Südafrika, wo sie ihr Sozialpraktikum ableisteten.
Hier der Bericht von Lisa Djabbarpour und Ann-Katrin Schmidt:
Sanibonani“ (afrikanisch: Hallo) Während des Sozialpraktikums absolvieren Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 11 ein dreiwöchiges Praktikum in einer sozialen Einrichtung in Krefeld und Umgebung. Das ist der Normalfall. Dass ein solches Praktikum auch einmal viel länger dauern und an einem mehrere tausend Kilometer entfernten Ort stattfinden kann, hatten wir, Lisa Djabbarpour und Ann- Katrin Schmidt, zunächst nicht zu hoffen gewagt. Vor vielen Monaten fuhren wir mit Bekannten von Ann-Katrin Schmidt zu einem Patentreffen der Patenschaftsorganisation "Siyabonga-Helping-Hands". Uns interessierte die Arbeit dieser Organisation und unsere Teilnahme war eher Zufall als geplantes Handeln. An unserem Tisch saßen zwei ehemalige Praktikantinnen, die uns von ihrem Aufenthalt in Afrika erzählt und uns an diesem Tag in besonderer Form für Siyabonga begeisterten, so dass uns die Idee, ebenfalls ein Praktikum in Afrika zu leisten, nicht mehr aus dem Kopf ging. Nach Überzeugungsarbeit bei den eigenen Eltern, nach Gesprächen in der Schule und nach vielem Planen und Organisieren „flüchteten“ wir am 2. Januar vor den grauen Schneetagen in Krefeld ins ferne Südafrika. Nach 26 Stunden landeten wir auf dem winzigen Flughafen von Pietermaritzburg, das südlich von Johannesburg liegt. "Siyabonga-Helfende-Hände-für- Afrika" wird von Ingolstadt aus organisiert und verwaltet, doch die wirkliche Arbeit findet in Pietermaritzburg statt. Kinder stehen im Mittelpunkt der sozialen Tätigkeit dieser Organisation. Ihre Chancen auf Bildung und ein würdiges Leben sollen verbessert und unterstützt werden. Das Team in Afrika besteht aus drei "Office-Arbeitern", die die Organisation vor Ort übernehmen und mit den Mitarbeitern in Deutschland kommunizieren. Darüber hinaus gibt es seit 2009 zwei Computerlehrer, die mit einigen Kindern nach der Schule an Laptops arbeiten, die von der Firma HP gesponsert wurden. Zum Team gehören weiterhin zwei afrikanische Helfer, die sich mit einer Sozialarbeiterin um Kinder und ihre Familien kümmern. Doch wie funktioniert das gesamte System? Wer von Deutschland aus etwas für Kinder in Afrika tun möchte, kann sich an das deutsche Team von "Siyabonga-Helfende- Hände-für-Afrika" wenden. Nach Informationsgesprächen kann sich der Interessent für eine Patenschaft anmelden. Der Pate erhält dann Mappen mit Fotos und Daten von zwei oder drei Kindern. Für diese Kinder spendet er dann monatlich 35Euro. Zu Beginn der Patenschaft haben die Paten, die meist aus Deutschland oder Österreich kommen, die Möglichkeit von sich Briefe, Fotos oder Geschenke an das Kind zu schicken. Zusätzliche Spenden sind gerne gesehen und bedeuten für die afrikanischen Kinder und deren Familien eine Verbesserung ihrer Chancen. Kinder und Familien werden mit den Produkten, die von dem gespendeten Geld angeschafft wurden, fotografiert, so dass der Pate weiß, was er mit seinem Geld unterstützt hat. Zu den Aufgaben der Mitarbeiterinnen vor Ort gehört auch, in den Schulen mit den Lehrern über Kinder aus bedürftigen Familien zu sprechen, um für diese dann eventuell einen Paten zu finden. Unsere ersten Eindrücke sammelten wir auf dem Weg vom Flughafen in unsere Unterkunft, wo wir die nächsten acht Wochen leben sollten. Wir waren zunächst etwas verwirrt, weil wir auf der linken Fahrbahn fuhren. Darüber hinaus staunten wir nicht schlecht über die weitgehend üppige Vegetation, die nicht so trocken war, wie wir sie uns vorgestellt hatten, sondern an manchen Stellen sogar einem Urwald glich. Die vielen Menschen auf den Straßen mit ihren Obstständen oder ihren Angeboten an Sonnenbrillen, Autokabeln oder Zeitungen schienen uns anzustarren. Mit der Zeit bemerkten wir aber, dass wir sie anstarrten und nicht umgekehrt. Uns fiel vor allem die Gastfreundschaft und Offenheit der Südafrikaner auf. Gewöhnungsbedürftig war, dass die Schwarzen niedriger gestellt zu sein scheinen, als die Inder oder die weißen Afrikaner. Bei allen Problemen, mit denen die Bevölkerung dort zu kämpfen hat, schienen uns vor allem die Kinder glücklich mit dem zu sein,was sie haben. Beunruhigend war für uns die Unwissenheit der Jugendlichen z.B. über Verhütung und den Umgang mit einem Baby.

Während unseres Aufenthaltes hatten wir verschiedene Aufgaben zu erledigen, die es uns ermöglichten, diese Eindrücke zu sammeln. Einmal im Monat werden die Spenden der Paten in einem Monatseinkauf für die Familien ausgegeben. Das unterstützte Kind und ein Familienmitglied kommen zur Schule, wo sie eine Art Gutschein für den Supermarkt erhalten. Dann geht es mit einem Bus zum Einkauf. Auch hierbei hatten wir unsere Aufgaben. Wir mussten darauf achten, dass ein festgelegter Geldbetrag eingehalten und dass keine Süßigkeiten gekauft wurden. Der Einkauf von Nahrungsmitteln steht im Mittelpunkt. Manche Kinder erhielten Sonderspenden, von denen sie Kleidung, Küchengeräte für ihre Familien und bei hohen Beträgen auch Möbel oder Baumaterialien kauften. Unsere Aufgabe bestand auch darin, die Einkäufe zusammen mit dem Kind zu fotografieren, um später eine Mappe zu gestalten, die dann auch dem Paten einen Überblick über die Verwendung seiner Spenden ermöglicht. An manchen Tagen waren wir in den zwei Schulen, die von der Organisation unterstützt werden, und verteilten Geschenke und Briefe der Paten. Die Kinder bestaunten und umringten uns sofort. Auf der einen Seite waren sie schüchtern, auf der anderen Seite aber sehr interessiert und offenherzig. Einmal fuhren wir zur Schule, um neue Patenkinder zu finden. Die Lehrer schickten uns zu bedürftigen Familien, denen wir das Projekt erklärten, Fotos machten und die Daten der Kinder aufnahmen. Die Menschen dort leben teilweise ohne Elektrizität und müssen Wasser an öffentlichen Pumpen holen. Die Häuser, die auf Hügeln liegen und manchmal nur durch Schleichwege erreichbar sind, haben meist nichtmehr als zwei Räume und die Toiletten befinden sich in einer separaten Holzhütte. Die vielen Kühe und Ziegen laufen einfach auf den Straßen herum und bewegen sich auch dann nicht,wenn ein Auto kommt. Uns schien es, dass der Alltag der Menschen dort sehr öde und eintönig ist. Jugendliche, die keinen Job haben, laufen zum Beispiel nur auf den Straßen herum. In der kurzen Zeit unseres Aufenthalts haben wir viele Dinge erlebt, Erfahrungen gesammelt und tolle Menschen kennen gelernt, mit denen wir immer noch Kontakt haben. Wir hoffen, bald wieder afrikanischen Boden unter unseren Füßen zu haben.
Lisa Djabbarpour und Ann-Katrin Schmidt